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Geschrieben von Deimos am 17.09.2017 um 10:06:

Leere, nichts als kalte, schwere Leere füllte nunmehr das Herz des kleinen Alphasohnes. Yanthan war vor ihm geflohen und er war allein, genau so wie er es befürchtet hatte. Seufzend sah er in die Ferne, blickte in die Richtung, in die Chaske und Khazen verschwunden waren. Sein Blick viel auf ein paar Spuren die sie hinterlassen hatten. Riesige, tiefe Abdrücke im Matsch, den seinen um einiges überlegen. Beide Wölfe waren ungefähr ebenso groß und stark gewesen, wie Murdoch und Tyrese, und doch hatten sie den Kampf nicht aufgenommen, nachdem Gwydion ermordert worden war. Zum gefühlten hundertsten mal spielten sich die Szenen des grausamen Kampfes wieder vor seinem inneren Auge ab. Wie gebannt starrte er in die Ferne, sein Körper zitterte vor Kälte und den Schauern, die die Erinnerung ihm über den Rücken laufen ließen. Nichts würde je wieder so sein wie es war, am liebsten wäre er aufgestanden und davon gerannt. Dahin, wo die Spuren ihn hinführen würden.
Doch so sehr er seinen Sohn wahrscheinlich verachtete, würde sein Vater ihn dennoch suchen und dann hatte er im schlimmsten Fall auch noch Chaske auf dem Gewissen wenn Tyrese mit den Nightfalls die Rebellen fand. Und dennoch... wäre er nicht so gelähmt von allem was um ihn herum geschehen war, wäre er vermutlich aufgestanden und hätte es versucht.

Plötzlich ruckte ihn eine vertraute Stimme aus seinen Gedanken. Er warf den Kopf rum und starrte Eyrin mit großen Augen entgegen. Sie näherte sich ihm freundlich und beinahe ausgelassen. Wahrscheinlich hatte man ihr also noch nichts erzählt, doch das machte es nicht besser. Ein selten empfundenes Gefühl machte sich in ihm breit und ließ seine Miene finster werden. Wie sie da so fröhlich auf ihn zukam und einfach so tat als wäre alles in Ordnung. Nichts war in Ordnung! Wütend und neidisch über die Leichtigkeit die Eyrin empfinden konnte, setzte er zu einer Antwort an.
“Was weiß denn ich, vielleicht ist er einfach ein Feigling!“ wetterte er und wandte den Blick wieder ab. Mehr hatte er dazu nicht zu sagen, er brachte es nicht übers Herz Eyrin zu erzählen was vorgefallen war. In ihm fühlte sich alles nur noch verkrampft und schlecht an und ihm war, als würde er nie wieder lachen können.
“Geh doch hin und frag ihn, vielleicht erzählt er es dir ja“ schlug er gleichgültig vor und legte den Kopf wieder auf seine Pfoten.
“Mit mir willst du sowieso nichts zu tun haben“
Seufzend schloss er für einen Moment die Augen, um die darin aufsteigenden Tränen zu unterdrücken. Es würde nichts bringen und Eyrin würde es nicht verstehen, wozu es also unnötig schwer machen.
Als er die Augen wieder öffnete sah er in einiger Entfernung Kavya und Tajga, die sich zu nähern schienen. Dann wären alle hier, außer Yanthan. Erneut durchzuckte der schmerzhafte Stich seine Brust und das erste mal seit Chaske gegangen war fragte er sich, ob seine Geschwister ihm nicht vielleicht fehlen würden, wenn er mit dem Rebellen fortging. Ja, wahrscheinlich wäre dem so, aber für den Moment waren hier alle zufrieden und konnten ein glückliches Leben führen, alle, außer ihm selbst. Es fühlte sich nicht mehr so an, als würde er dazu gehören und was er gesehen hatte ließ ihn das auch nicht mehr wollen. Er wollte nicht so grausame Dinge tun wie Tyrese, wieso konnten sie nicht einfach in Frieden miteinander leben und sich aus dem Weg gehen?
Nur, weil sein 'Vater' unbedingt alles an sich reißen und beherrschen wollte. Das war doch nicht fair?! Gwydion hatte seinen Vater beinahe niedergestreckt, wie hätte er das ganze wohl gesehen, wenn Tyrese der Verlierer dieses Kampfes gewesen wäre? Genau anders rum? Erneut seufzte er leise. Er wusste es nicht, doch es spielte auch keine Rolle. Er hatte gesehen was er gesehen hatte. Und er würde nie vergessen wie achtlos und widerwärtig Tyrese über den Leichnam von Gwydion hinweg getrampelt war, ebenso wenig wie er das ganze Blut und die fetzenden Geräusche jemals wieder vergessen würde. Es spielte also keine Rolle mehr, er hatte das Monster in Tyrese gesehen und er würde es nie, nie, nie wieder gut machen können.

[Eyrin, antwortet ihr knapp und durchlebt immer noch seine Krise]

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Geschrieben von Chaske am 18.09.2017 um 12:27:

Wie alt war Nhor? Er kam Chaske in seinem Verhalten viel jünger vor, als er aussah. Geprägt von naiven Hoffnungen – und Angst. Für einen Moment wollte er noch dagegenhalten, den Braunen fragen, ob er wirklich an das Paradies in der Ferne glaubte. Gefahren gab es überall. Feinde auch. Kaum ein Rudel leistete sich bloße Schmarotzer, die beschützt und gefüttert wurden, aber nicht ihren eigenen Teil dazu beitrugen. Da waren die Rebellen vermutlich die aufopferungsbereitesten Wölfe, die Nhor finden konnte. Oder sie waren es zumindest bisher gewesen.
Der Schwarze fragte sich, ob er einen Fehler beging. Ob er zu viel verlangte. Gwydion hatte Nhor weitestgehend in Ruhe gelassen. Aber sein Vater war nicht mehr…

Der junge Rüde sah es in dem anderen arbeiten. Ob er selbst zur Erkenntnis gekommen war? Es sah beinahe so aus. Also trampelte Chaske nicht weiter darauf rum. Er hatte ihm einen Denkanstoß gegeben. Das musste reichen.
Dann veränderte sich die Haltung seines Begleiters plötzlich. Die Angst wich einem Moment lang dem Zorn. Nun, am schnellsten wurde man aggressiv, wenn man sich fürchtete, nicht? Chaske hatte das nicht nötig. Er sträubte weder das Nackenfell, noch fixierte er den anderen. Es verließ auch kein Grollen seine Kehle. Nein, Chaske wusste um seine Größe und Stärke. Es war diese Überzeugung, die ihn absolut ruhig stehenbleiben ließ.
Die eisblauen Augen suchten Nhors Blick. Nicht drängend, auch nicht starrend, aber eben auch nicht ausweichend. „Genauso wie alle anderen auch“, antwortete er trocken. Sie mussten sich alle entscheiden. Manche trugen sogar noch weit mehr Verantwortung. Bei Nhor ging es nur um ihn. Bei Chaske dagegen…? Die meisten Rebellen vertrauten ihm. Was, wenn sie blieben - und starben -, weil er sie nicht rechtzeitig weggeführt hatte?

„Du bist kein Welpe mehr, Nhor. Niemand wird dir die Entscheidungen abnehmen.“ Chaske schüttelte den Kopf. Natürlich könnte er ihm befehlen, zu bleiben. Vielleicht würde der Braune das aus Angst sogar akzeptieren. Aber wäre er dann nicht wie Tyrese? Und was half ihnen ein Rudelmitglied, auf das man sich nicht verlassen konnte? Das gar nicht hier sein wollte? „Man weiß vorher nie, ob man die richtige oder die falsche Entscheidung trifft.“ Und manchmal hasste man sich dafür, wenn man Fehler beging. Er dachte wieder an all jene, die er verloren, die er nicht hatte retten, können.
„Aber man lernt, zu seiner Wahl zu stehen.“ Oder er musste das zumindest. Denn niemandem wäre geholfen, wenn er im Nachhinein jammerte, dass er das nicht gewollt hatte.
Ein kurzes, beinahe aufmunterndes, Lächeln stahl sich auf seine Lefzen. „Du solltest nur ganz genau wissen, was du willst und was du kannst, bevor du etwas versprichst.“ Denn nichts tat mehr weh, als ein Versprechen zu brechen und sich ewig schuldig zu fühlen.
Chaske setzte sich wieder in Bewegung. „Hörst oder riechst du etwas?“ Er wollte Nhor ablenken, einbinden, ihm zeigen, dass er schon zum Rudel beitragen konnte, wenn er nur Augen, Ohren und Nase offen hielt.


{ Nhor| Kontrollgang }

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